Brennessel e.V.
Berufsgruppe gegen sexuelle Gewalt an Kindern
 

Kinder und Jugendliche haben ein Recht auf Unversehrtheit

Bei der Mitgliederversammlung waren sich alle einig: Der gemeinnützige Verein Brennessel setzt weiter auf Präventionsprojekte in Kindergärten und Schulen, um Kinder zu stärken.

Kinder sind in unserer Gesellschaft das Wertvollste und gleichzeitig auch das Verletzbarste - Kinderrechte sind deshalb genauso ernst zu nehmen wie Erwachsenenrechte -. Die UN-Kinderrechtskonvention ist bereits seit über 20 Jahren in Kraft,  sie garantiert Kindern u.a. in Artikel 34 den Schutz vor sexuellem Missbrauch!

Das müssen wir Erwachsene ernst nehmen und uns der Anliegen von Kindern annehmen und sie unterstützen.

Sexuelle Übergriffe sind leider keine Ausnahme, täglich werden wir in den Medien mit neuen Aufdeckungen konfrontiert. Kinder im Kindergarten- und Grundschulalter sind am häufigsten von sexuellen Übergriffen betroffen, eine frühzeitige Aufklärung und das Aufzeigen von möglichen Handlungsstrategien ist deshalb immer noch die wirksamste Vorbeugung. Alle vorliegenden Studien belegen: Starke Kinder sind besser geschützt vor sexuellen Übergriffen.

In diesem Sinne setzen sich die Aktiven des Vereins Brennessel für den Kinderschutz und das Recht von Kindern auf Unversehrtheit ein. Durch das vom Verein mitfinanzierte Theaterprojekt „Mein Körper gehört mir“, der Theaterpädagogischen Werkstatt Osnabrück, konnten auch im abgelaufenen Vereinsjahr wieder viele Kinder in Grundschulen und Förderschulen in der Stadt und im Landkreis Celle erreicht und gestärkt werden. In dem theaterpädagogischen Präventionsprogramm, das einen Elternabend und 3 Schulstunden im Abstand von 1 Woche umfasst, geht es um Geschichten direkt aus dem Alltag. In kurzen Spielszenen werden Situationen geschildert, in denen körperliche Grenzen von Kindern überschritten werden. Die Autonomie von Mädchen und Jungen soll gefördert und ihre Selbstachtung und ihr Recht auf Selbstbestimmung gestärkt werden. Kinder werden ermutigt, ihren „Nein-Gefühlen“ zu vertrauen, anderen davon zu erzählen und sich Hilfe zu holen.

Die fast 10-jährige Erfahrung mit dem Theaterprojekt zeigt, dass viele Kinder im Grundschulalter von Grenzüberschreitungen im Alltag betroffen sind und sich nicht trauen, mit jemanden darüber reden. Das begleitende Beratungsangebot durch Vereinsmitglieder ermöglicht es, Kindern bei Bedarf zeitnah Hilfestellungen zu geben.

Das Theaterprojekt kann natürlich nicht gewährleisten, dass Mädchen und Jungen vor sexuellen Übergriffen geschützt sind. Es kann aber eine Sensibilisierung und eine deutliche Stärkung der Kinder bewirken! Darüber hinaus muss eine wirksame Prävention immer auch eine veränderte Erziehungshaltung und einen anderen Umgang mit den Kindern bedeuten.

Ein weiteres Unterstützungsangebot wurde deshalb von Herrn Matthias Rehli als Selbstbehauptungstrainer an unterschiedlichen Schulen in Stadt und Landkreis durchgeführt. Unter dem Motto „Stärken stärken!“ gab und gibt er Kindern Anleitung zum sicheren Auftreten in Bezug auf Körperhaltung, Mimik und Gestik, dem bewussten Einsetzen der Stimme und dem Erlernen „NEIN“ zu sagen. Auch Techniken zur eigenen deutlichen Grenzsetzung wurden vorgestellt und erprobt, insbesondere das Verhalten in bedrohlichen Situationen. Dieses Training wurde dem Alter der Kinder angemessen spielerisch angeboten mit dem Ziel, den Handlungsspielraum der Kinder zu erweitern und persönliche Stärken zu kennen und zu nutzen.  Die Kurse (insgesamt 11) wurden von Brennessel als Präventionsprogramm finanziert.

Der sexuelle Missbrauch von Mädchen und Jungen ist trotz aller Aufgeklärtheit und Offenheit ein Thema, das Eltern genauso beschäftigt wie Pädagoginnen und Pädagogen in Schulen und Kindergärten. Die ganz konkrete Konfrontation mit einem eventuell betroffenen Kind kann ganz unterschiedliche Reaktionen wie Wegsehen, Unsicherheit, Ohnmacht oder auch übereiltes Handeln auslösen.

Neben Einzelberatungen fanden Elternabende in Kindergärten zu den Themen „Sexualentwicklung von Kindern“ und „Sexuelle Übergriffe unter Kindern“ statt und setzten sich auch mit den Möglichkeiten einer wirksamen Präventionsarbeit in Institutionen auseinander. Der Verein wirkte auch wieder bei der Ausbildung und Qualifizierung der Tagespflegepersonen mit. Die Mitarbeit von Vereinsfrauen im Mädchenarbeitskreis Stadt und Landkreis Celle und im Frauenforum ermöglicht eine Auseinandersetzung mit dem Thema „sexuelle Gewalt“ auf breiter Ebene.

Zum Thema „Sexualisierte Gewalt im Sport“ waren Fachfrauen von Brennessel als Referentinnen zu Fortbildungen und Informationsveranstaltungen eingeladen. Im Bereich des Sports gibt es inzwischen auf Bundesebene, auf Landesebene und vor Ort eine hohe Sensibilität. Bei vielen Sportarten wie z.B. Schwimmen oder Judo ist Körperkontakt unvermeidlich. Kinder und Jugendliche sind oft genauso verunsichert wie ihre Trainer.

In Kooperation mit dem Celler Badeland sind vor Ort Plakate von Brennessel aufgehängt worden, um Kinder auf sexuellen Missbrauch hinzuweisen und ihnen konkret Unterstützung anzubieten. Gleichzeitig verfolgt der Verein auch das Ziel, für mögliche Täter ein Signal zu setzen: „Hier ist sexuelle Gewalt an Kindern ein Thema, hier sind wir offen für Kinder, die von sexuellem Missbrauch berichten.“

Nach dem Bericht über die erfolgten Aktivitäten des Vereins im vergangenen Vereinsjahr konnte die Kassenwartin Sabine Oswald einen ausgeglichenen Haushalt vorweisen. Der Verein hat viele langjährige finanzielle Unterstützer und Förderer, ohne die die durchgeführten Aktivitäten nicht möglich wären.

Der Vorstand wurde daraufhin einstimmig entlastet.

Bei den anschließenden Neuwahlen  wurden Irina Adolph, Sabine Oswald und Christa Pahls-Korzonnek als Vorstand von Brennessel e.V.  erneut einstimmig gewählt.

Auch im neuen Vereinsjahr bietet Brennessel e.V. weiterhin Beratung und Begleitung an und setzt auf Prävention durch vorbeugende Unterrichtseinheiten in Schulen, bei Elternabenden in Kindergärten und Schulen und Fortbildungen für Interessierte und die Fachöffentlichkeit. Im Ev. Kindergarten Wathlingen und im Gertrud-Kock-Haus Celle finanziert Brennessel im September ein 3-teiliges Präventionsprojekt des MuT-Zentrums aus Kadern. Es setzt sich aus einer Fortbildungseinheit für die Erzieherinnen, einem Elternabend und einer theaterpädagogischen Einheit für die Kinder zusammen.

Im Herbst 2013 soll in Zusammenarbeit mit dem Albert-Schweitzer-Familienwerk ein neues Projekt starten, das sich an jugendliche Täter richtet, die durch sexuelle Übergriffe gegenüber Jüngeren und Gleichaltrigen auffällig geworden sind. Aus Sicht des Vereins ist es die beste Vorbeugung, wenn mit jungen Tätern konkret über einen längeren Zeitraum kontinuierlich an ihrem Verhalten und einer Verhaltensänderung gearbeitet wird. Damit erhöht sich die Chance, dass sie nicht rückfällig werden.

Die seit 1999 kontinuierlich angebotene offene Sprechstunde des Vereins im Jugendhilfeprojekt in der Alten Molkerei in der Blumlage in Celle wird vorwiegend von Erwachsenen (Angehörige betroffener Kinder, pädagogische Fachkräfte aus Kindergärten und Schulen) telefonisch und persönlich genutzt, durch die räumliche Anbindung an das Jugendhilfeprojekt „Alte Molkerei“ melden sich vereinzelt auch Kinder und Jugendliche.

Die Offene Sprechstunde als erste Anlaufstelle für Kinder, Jugendliche, Angehörige, Fachleute und Interessierte findet an jedem Dienstag von 17.00 -19.00 Uhr im Jugendhilfeprojekt „Alte Molkerei“, Blumlage 64, 29221 Celle statt (außer in den Ferien), Tel. 05141-740560.

Die Unterstützung von Fachleuten, die in ihrer Arbeit mit Kindern und Jugendlichen im täglichen Alltag mit den Folgen der sexuellen Gewalt konfrontiert sind, ist auch weiterhin ein Schwerpunkt in der Beratungsarbeit des Vereins.

Die Vernetzung untereinander mit „kurzen Dienstwegen“ ermöglicht eine effektivere und schnellere Hilfe für betroffene Kinder und Jugendliche. Zum Verein gehören pädagogische Fachkräfte aus der Erziehungsberatungsstelle, den Jugendämtern Stadt und Landkreis Celle, dem Kinderschutzbund, der Stiftung Linerhaus, des Verbundes Therapeutischer Einrichtungen, der Pestalozzi-Stiftung, des Sprachheilkindergartens „Spunk“, des Hauses der Familie und des Onkologischen Forums an. Auch eine Rechtsanwältin ist Mitglied und unterstützt bei Bedarf. Das Informieren  der Öffentlichkeit ist ein Anliegen des Vereins und die aktive Mitarbeit bei Aktionen, z.B. Informationsstände zugunsten des Vereins,  gehören genauso dazu .

Wer Interesse an der Arbeit des Vereins hat oder aktiv mitarbeiten möchte, erhält weitere Informationen unter www.brennessel.org. Der ausführliche Jahresbericht ist ebenfalls hier nachzulesen.

Christa Pahls-Korzonnek


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